75 Jahre VfL Munderkingen

Dieser geschichtliche Abriss wurde zum 75-jährigen Jubiläum des Fußballs im FCM und VfL im Jahre 1994 von Manfred Kohal als Festrede verfasst und vorgetragen.
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Die Wunden des 1. Weltkrieges begannen gerade erst zu heilen, als im August des Jahres 1919 einige fußballbegeisterte Munderkinger zur Gründung eines Fussballclubs junge Leute in die „Laute“ einluden. Es war dringend notwendig, dass die jungen Leute unter Vereinskontrolle kamen, weil die sog. „Rossmarktkicker“ tagtäglich mit zerrissenen Schuhen und Kleidern nach Hause kamen. Nach der Gründung des Vereins wurde dann unter der Leitung von Lautenwirt Wilhelm Spranz eine erste Mannschaft zusammengestellt. Diese Elf war mehr oder weniger nach heutigen Begriffen eine B-Jugendmannschaft. Die ersten Privatspiele wurden gegen Ehingen, Mengen und Scheer ausgetragen. Im Oktober desselben Jahres wurden dann auch sportlustige ältere Herren, so wurde in einer Anzeige des „Donauboten“ geworben, in die „Post“ zur Gründung einer Ligamannschaft eingeladen. Im November 1919 fand dann das Stiftungsfest statt. Anlässlich dieses Festes musste der junge FCM schon bald erfahren, dass ihm seitens der Bevölkerung nur wenig Interesse entgegengebracht wurde. Im „Donauboten“ war damals zu lesen: Der Abend verlief bei fröhlicher Stimmung, zur allgemeinen Befriedigung und hoffen wir, dass fernerhin dem FCM mehr Interesse geschenkt wird wie bisher.

Im Frühjahr 1920 fand dann das erste große Spiel gegen die dritte Mannschaft des Sportvereins Biberach statt. In der Mannschaftsaufstellung erschienen u.a. die Namen von Ernst Kaspar, Erhard Schindler, Kosmas Stöhr, Konrad Kreutle und Alfons Falch. Inzwischen hatte der Verein zwei talentierte Fussballspieler bekommen. Ersterer fiel in Biberach laut „Donauboten“ durch seinen wunderschönen schwarz-gelben Jokeydress auf, der andere durch sein überragendes Fußballkönnen gegenüber den übrigen 10 Mann. 1920 erfolgte dann die Anmeldung zum Süddeutschen Fußballverband und noch im selben Jahr nahm der FCM an den Verbandsspielen der C-Klasse teil. Ehingen, Mengen und Saulgau waren die Gegner. Punktelos absolvierte man das erste Spieljahr.

Im März 1921 wurde der FCM offiziell ins Vereinsregister eingetragen. Die Wettspieltätigkeit kam immer mehr zur Blüte und insbesondere durch Privatspiele mit starken Gegnern und durch Verstärkungen wurde die Mannschaft immer durchschlagskräftiger. So schaffte man auch 1921 den Aufstieg in die B-Klasse. Die Befürchtungen, sich in der B-Klasse nicht halten zu können, bewahrheiteten sich nicht, denn von sechs Spielen konnten zwei gewonnen werden.
Dem Aufwärtstrend wurde durch die Inflation 1923 zunächst ein Ende gesetzt, denn die Geldentwertung zwang zur Einstellung des Spielbetriebes. Im „Donauboten“ waren damals in einer Anzeige die Eintrittspreise ausgedruckt. Sie betrugen für Nichtmitglieder 5000 Mark, für Mitglieder 3000 Mark und für Kinder 500 Mark. Erst am Ostersonntag 1924 spielte Munderkingen gegen die 3. Mannschaft der Stuttgarter Kickers erstmals wieder auf eigenem Platz. Noch im selben Jahr musst der Club die erste spielerische Krise überstehen. Infolge dieser Vereinskrise war von allen Mannschaften nur noch die erste aktive Elf übriggeblieben. Sie war es, die in dieser Zeit den Verein allein repräsentierte und durch den Zusammenhalt den FCM vor einer Katastrophe bewahrte. Der Berichterstatter des „Donauboten“ kommentierte dies so: Hier zeigte es sich, was der Zusammenhalt und die Kameradschaft zu vollbringen imstande sind.

Trotz dieser Misere gelang in diesem Jahr ohne Unterstützung von außen der Aufstieg in die A-Klasse des Albgaues. Ende 1928, also vier Jahre später, wurde Munderkingen Meister dieser Klasse. In einem Rückblich über die abgelaufene Saison war damals im „Donauboten“ zu lesen: An der Spitze steht der FC Munderkingen. Er wäre einwandfreier Meister mit einem Punkt Vorsprung, wenn nicht noch vorher untersucht werden müsste, inwieweit sich Anzeigen bewahrheiten, die wissen wollen, dass Munderkingen während der Verbandsspiele unberechtigte Spieler - oder sei es nur einer - haben mitwirken lassen. Schlimmstenfalls beurteilen wir die Sache so, dass den Munderkingern ein Spiel abgeschrieben werden kann und dann müsste es nach den Bestimmungen ein Entscheidungsspiel zwischen Ehingen und Munderkingen geben.

Und so kam es auch. In einem Entscheidungsspiel in Ulm bewiesen die Mannen der ersten Elf, dass sie würdig waren, den Gau zu vertreten, indem sie Ehingen mit 3:0 einwandfrei schlugen. Überraschend gelang dem FCM dann in einer Aufstiegsrunde der Aufstieg in die Kreisliga Ulm. Mit den Mannschaften SSV Ulm, Söflingen, Geislingen, Günzburg, Wangen und später auch Lindau, Biberach, Friedrichshafen und Neu-Ulm hatte diese Liga landesübergreifenden Charakter. So ist es auch zu verstehen, dass diese Liga auch als Gauliga bezeichnet wurde.

Ein schöneres Geschenk hätte die Mannschaft zum 10jährigen Bestehen nicht machen können. Der Donaubote schwärmte von einem Erfolg, auf den nicht nur der FCM, sondern die ganze Stadt stolz sein kann. In Anerkennung ihrer Verdienste werden dann die Namen der Spieler genannt: Willi Hüpschle, Wilhelm Kreutle, Eugen Haug, Eberhard Kneer, Paul Seiter, Konrad Kneer, Ernst Kaspar, Augsut Haid, Willy Mohn, Carl Mohn und August Teufel.
Die Mannschaft hatte es schwer, sich in den folgenden Jahren in dieser renommierten Liga zu halten, und 1933 war der Abstieg nach 4jähriger Zugehörigkeit nicht mehr abzuwenden.

Noch zweimal bis 1938 schaffte der Club die Meisterschaft in der Kreisklasse Donau, jedoch nicht den Aufstieg, weil man in einem Aufstiegsspiel an Friedrichshafen scheiterte oder wegen einer „finanziellen Misere“ auf den Aufstieg verzichten musste.

1939 ließ der bereits ausgebrochene 2. Weltkrieg die Festlichkeiten zum 20jährigen Bestehen nicht mehr zu. In den folgenden Kriegsjahren wurde der Spielbetrieb, so gut es ging, weitergeführt, bis er schließlich 1944 ganz zum Erliegen kam.

Mit dem Krieg endete eine erfolgreiche Phase in der Entwicklung des Munderkinger Fußballs.

Bei der genauen Überschau dieser Zeit, erkennen wir von der Gründung an eine langsam aber stetig nach oben führende Erfolgslinie. Man kann genau erkennen, dass diese Aufwärtsentwicklung in einem ausgeprägten Idealismus und in einem Niemals-Aufgeben selbst in aussichtslos scheinenden Situationen begründet war. Es war augenscheinlich das Bestreben des Clubs, dem Munderkinger Fußball bis weit hinaus in die Lande Geltung zu verschaffen, und dies ist ihm auch gelungen. Es kommt nicht von ungefähr, dass bei vielen Vereinen im Bereich Oberschwaben Munderkingen heute noch als „Ligalöwe“ bezeichnet wird. Dieses Prädikat war nicht nur Beiname, sondern auch Qualitätsbegriff.

In der Gemeinde selbst hatte der Club vor allem in den Anfängen ständig um Anerkennung zu kämpfen. Fußballspielen war damals in vielen Kreisen der Bevölkerung verpönt, und das Spielen mit dem Ball wurde als Rohheit bezeichnet. Bei der Stadtverwaltung konnte der Verein nicht auf Unterstützung rechnen. Auch bei der Geistlichkeit und der Lehrerschaft war dieser Sport ein Dorn im Auge, wobei ein Lehrer seine Abneigung zum Fußball gegenüber seinen Schülern folgendermaßen ausdrückte: „Euch grasgrüne Lotterbuben grab ich noch z´unterst nunter unter die Miste mit Euerer Kickerei.“ Zudem war der Fußball eine äußerst ungeliebte Konkurrenz zum damals allseits in hohem Ansehen stehenden Turnverein.

Diese Situation zwang alle diejenigen, die sich dem Fußball verschrieben hatten, zur Gemeinsamkeit. Das geringe Vergnügungsangebot, die finanzielle Not der 20iger und 30iger Jahre formte den Fußballer zum echten Kameraden und zwang ihn zur Eigeninitiative. Fußball war Erfüllung der Freizeit. Man suchte die ständige Begegnung in der Gemeinschaft und war damit auch in der Lage, mit geringen Mitteln Optimales zu schaffen. Es ist heute Nostalgie und für manchen unserer heutigen Generation nur schwer begreifbar, wenn die Fußballer damals die Fahrten zu den Auswärtsspielen mit dem zweispännigen Leiterwagen, mit dem Fahrrad, mit der Bahn oder gar zu Fuß durchführten, wenn der Club die Sportanlagen in Tausenden von Arbeitsstunden selbst anlegte, wenn er jede Gelegenheit nutzte, unter Beteiligung der aktiven Spieler und der Vorstandschaft gesellschaftliche Veranstaltungen, wie z.B. Theatervorstellungen, zu organisieren, um zum einen damit zu Geld zu kommen und zum anderen bei der Bevölkerung in der Gunst zu bleiben.

Anekdotischen Charakter hat heute die Suche nach einem geeigneten Spielfeld. Heute ist es fast schon eine Selbstverständlichkeit, dass eine Gemeinde den Sporttreibenden Sportstätten zur Verfügung stellt. Auf solche Unterstützung konnte der Club damals nicht rechnen, da wie schon betont, Bürgermeister und Gemeinderat kein Verständnis für diesen Sport aufbringen konnten, ganz abgesehen davon, dass die Stadtkasse keinen Spielraum für solche damals unnötigen Projekte ließ.

Für den Sportbetrieb bot sich das große Wiesengelände rechts von der Rottenacker Straße an, von den heutigen Hallen der Fa. Hahl bis hinunter zu alten Kläranlage. Dieses Gelände war teilweise Privatbesitz und auch teilweise Eigentum der Stadt. Es waren die sog. Hägewiesen. In der ersten Zeit wurden Fußballspiel und Training „skrupellos“ ohne Genehmigung von der Stadtgemeinde oder Pächtern auf der Hägewiese ausgetragen, denn weder seitens der Stadt noch von privater Seite war man bereit, ein geeignetes Gelände zur Verfügung zu stellen. Oft mussten Feldschütz und Landjäger auf Geheiß der Stadtverwaltung die Spieler vom Platz vertreiben.

Schließlich war ein Privatmann bereit, dem Club eine Wiese zu verpachten. Dies gestaltete sich insofern schwierig, als der Verpächter der rapiden Geldentwertung wegen das verlorengegangene Grünfutter in natura ersetzt haben wollte. Vorstandsmitglied Alfons Falch war dann Retter in der Not und stellte dem Verpächter kostenlos den Öhmd- und Heuertrag seines Gartens zur Verfügung. Im Spielbericht im „Donauboten“ über das erste Spiel in Biberach war folgendes zu lesen: Es wäre nun zu begrüßen, wenn der FCM alsdann sich aufzuraffen weitgehendst Gelegenheit hätte und vor allem auf eigenem Sportplatze zum Wohle der Jugend und der Pflege der Gesundheit dem Volkswohle dienlich sein könnte.

Erst 1921 nach der Eintragung des FCM ins Vereinsregister stellte das Bürgermeisteramt die Hägewies zur Verfügung. Aber auch Turnverein und Gesellenverein meldeten für diesen Platz gleichfalls Ansprüche an. Nachdem die drei Parteien darob stritten und sich nicht einig werden konnten, pachtete der Verein eine Wiese vom Postwirt Herrn Mayer, gegenüber der heutigen Gärtnerei Kaspar, und lud sich damit wieder neue geldliche Verpflichtungen auf. Der städtische Platz war alsbald verödet und eine Gänseweide.

Erst im Jahre 1925 brachte es der neue Vorstand, Herr Paul Selg fertig, dass der FCM die Hägewiese von der Stadt wieder zugewiesen erhielt. Es handelte sich um den Platz auf dem heute die Hallen der Fa. Hahl stehen. In 3000 freiwilligen Arbeitsstunden wurde das Gelände eingezäunt, später mit einem Bretterzaun umgeben. Auch eine Ankleidehütte wurde gekauft. Trotz hoher Ausgaben gab es den Beteiligten die Befriedigung, aus eigener Kraft einen Sportplatz geschaffen zu haben, wie im großen Umkreis kein ähnlicher zu finden war. Im August 1925 wurde der Platz mit einem großen Sportfest eingeweiht, in welchem in erster Linie leichtathletische Wettbewerbe ausgetragen wurden, denn die Vereinsleitung legte großen Wert darauf, dass sich die Fußballer nebenbei leichtathletisch betätigten. Eugen Haug belegte einen ersten und Konrad Kreutle einen zweiten Platz im 100m - Lauf, trotz stärkster Konkurrenz.
Der eigentliche Platz, auf dem die jungen Munderkinger Fußballer das Kicken lernten, war der Rossmarkt, der sich als Bolzplatz anbot und auf dem die Jungen tagtäglich ihre Freizeit bei heißen Fußballschlachten verbrachten. Die FCMler wurden deshalb auch gerne mit „Rossmarktkicker“ bezeichnet. Die Not machte damals erfinderisch. In Ermangelung von Lederbällen, die zur damaligen Zeit eine Rarität waren, haben sich die jungen Leute mit selbstgebastelten Stoffbällen beholfen, bis ihnen eines Tages ein großes Glück zuteil wurde: Sie bekamen aus der Schweiz den ersten Lederball geschenkt.

Nachdem während des 2. Weltkrieges 30 aktive Spieler ihr Leben lassen mussten, stand der Fußballclub 1945 vor einem Neubeginn. Man war bestrebt, den Spielbetrieb sofort wieder aufzunehmen. Dies konnte aber nur mit Genehmigung der französischen Militärregierung geschehen. Diese ordnete an, dass in Munderkingen nur noch ein sporttreibender Verein bestehen durfte. Der FCM und der Turnverein mussten also fusionieren.

Am 16.09.1946 fand deshalb in der „Stadtwirtschaft“ die Gründungsversammlung statt, an der die Mitglieder des Turnvereins und des Fußballclubs teilnahmen, um den Zusammenschluss offiziell zu vollziehen. Dies war die Geburtsstunde des Vereins für Leibesübungen, kurz VfL, der inzwischen 11 Abteilungen umfasst.

Schon wieder wurde die Fußballabteilung mit der Sportplatzfrage konfrontiert, da der bisherige Sportplatz während des Krieges von der Wehrmacht als Hindernisbahn ausgebaut wurde und in diesem Zustand nicht mehr als Fußballplatz zu verwenden war. Aufgrund eines Antrages an die Stadtverwaltung zwecks Gestaltung eines geeigneten Geländes, gab der Gemeinderat hierfür das Inselbad frei. Da dies Lösung viele nicht befriedigte, wurde letztendlich der bisherige Sportplatz wieder hergerichtet. In 900 Arbeitsstunden wurde der Platz wieder in einen spielfähigen Zustand gebracht.

1946 kaufte der Verein von der Stadt die alte Wehrmachtsbaracke und funktionierte diese 1948 in eine Tribüne um, wie sie bis zu diesem Frühjahr auf dem Sportplatz im Ried zu sehen war, wohin sie 1965 in einem mühevollen und kostenverursachenden Umzug auf einem Tieflader ungesiedelt wurde. Es ist wahrhaftig schade, dass sie vor kurzem wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste. Mit ihr verschwand eine Stück Munderkinger Fußballtradition. Das Gerätehaus, das dem Turnverein gehörte, wurde aus den alten Anlagen auf den Sportplatz versetzt. Auch dieses wurde 1965 auf den Sportplatz im Ried umgesiedelt, wo es einem Brand zum Opfer fiel. Am gleichen Platz erstellte die Fußballabteilung ein Gerätehaus mit Aufenthaltsraum.

Unter dem neuen Namen VfL Munderkingen absolvierten die Fußballer von 1946 an die Punktespiele in der Kreisklasse Donau-Bussen, die dann 1950 durch die Zusammenlegung mit der Kreisklasse Donau-Riß in die Bezirksklasse Donau umbenannt wurde.
1952 wurde der VfL unter der Regie von Willi Pfeifer Meister dieser Klasse. Mit der Erringung dieser Meisterschaft stieg der VfL in die II. Amateurliga Oberschwaben auf. Durch Abwanderung bewährter Spieler war aber schon nach zweijähriger Zugehörigkeit zu dieser Klasse der Abstieg nicht mehr abzuwenden.

Bis 1964 spielte der VfL dann in der A-Klasse Donau. Dieses Jahr sollte für ihn jedoch kein gutes werden. Weil der Verein keine Schiedsrichter stellen konnte, wurde er zum Zwangsabstieg in die B-Klasse verurteilt, obwohl die Mannschaft am Ende der Saison Vizemeister der A-Klasse werden konnte. Dies war damals für den Verein ein hartes Los; heute werden in solchem Falle entsprechende Geldstrafen auferlegt.

Es sollte sich jedoch zeigen, dass diese Rückversetzung auch ihre positiven Seiten hatte. Trotz alledem resignierten weder Abteilungsleiter noch Spieler, und aus einer Jetzt-Erst-Recht-Haltung heraus wurde eine Periode großer Erfolge eingeläutet. Auf Anhieb wurde 1964 mit nur einem Punktverlust, und diesen fügte uns im letzten Heimspiel der SV Untermarchtal zu, der direkte Aufstieg in die A-Klasse geschafft. Ein weiterer Erfolg in diesem Jahr war, dass die 1. Mannschaft dazu noch Bezirkspokalsieger werden konnte. Mit ausgezeichneten Leistungen konnte ein Gegner nach dem anderen ausgeschaltet und im Endspiel in Altheim bei Riedlingen der II. Amateurligist Hohentengen mit 3:1 besiegt werden.

Doch noch nicht genug der Erfolge. Am Ende der Saison 1965/66 stand der VfL punktgleich mit Mengen an der Tabellenspitze der A-Klasse. Da damals das Torverhältnis, das klar für Munderkingen gesprochen hätte, noch nicht entscheidend war, musste am 25. Juni 1966 in Buchau in einem Entscheidungsspiel gegen Mengen der Aufsteiger in die II. Amateurliga ermittelt werden. Mancher der älteren Fußballfans wird sich noch an das dramatische Spiel vor ca. 1000 Zuschauern und an die hervorragende Leistung der gesamten Mannschaft, besonders aber von Torhüter Ernst Kaspar, der die gegnerischen Stürmer mit seinen Paraden schier zur Verzweiflung brachte, erinnern. Mit einem hart umkämpften 3:1 Sieg schaffte der VfL den erneuten Sprung in die II. Amateurliga. Auch die Reserve wurde damals Meister. Trainer dieser erfolgreichen Mannschaft war Manfred Kohal.

Nach dem 1. Jahr Zugehörigkeit zur II. Amateurliga Oberschwaben erreichte die Mannschaft einen achtbaren 5. Tabellenplatz, im darauffolgenden Jahr einen 7. Platz. Wie schon 1953 wurden höherklassige Vereine auf unsere Talente aufmerksam, so kam es auch, dass einige Spieler den VfL verließen. Dies machte sich für den VfL nachteilig bemerkbar, so dass in der Spielsaison 1968/69 der erneute Abstieg in die A-Klasse nicht mehr aufzuhalten war, und dies ausgerechnet im Jahr des 50-jährigen Bestehens.

Mit wechselnden Erfolgen spielte man dann wieder in der A-Klasse Donau, bis sich dann in der Saison 1975/76 ein Leistungsrückgang abzeichnete, denn erst im letzten Spiel gegen Öpfingen konnte man sich mit einem 2:1 Sieg vor 1000 Zuschauern, zumeist aus Öpfingen und Schussenried, den Klassenerhalt sichern. Munderkingen erwies sich mit diesem Sieg zudem noch als Zünglein an der Waage, denn es verdarb damit Öpfingen die Meisterschaft und verhalf Schussenried zum Aufstieg in die II. Amateurliga.

1977/78 ergab sich das Kuriosum, dass man im letzten Spiel in Hundersingen mit fast ein und derselben Mannschaft einem Zwei-Tore-Vorsprung mit einer 2:3 Niederlage den erneuten Aufstieg in die II. Amateurliga nur knapp verpasste.

Mit fast wieder derselben Mannschaft schaffte der VfL dann das Kunststück, jahrs darauf in die Kreisliga A, diese entsprach vor der im Jahre 1978 durchgeführten Staffelreform der B-Klasse, abzusteigen.

1979, im Jahr des 60-jährigen Bestehens der Fußballabteilung, war die Mannschaft noch vier Spiele vor Beendigung der Runde dem Aufstieg in die Bezirksliga sehr nahe, doch ein starker Leistungsabfall in der entscheidenden Phase erbrachte nur den 2. Tabellenplatz und nicht die Meisterschaft, die ein passendes Jubiläumsgeschenk gewesen wäre.

In den weiteren Jahren war der VfL wohl immer im Vorderfeld der Kreisliga A zu finden, zum Aufstieg reichte es jedoch nie. In der Saison 1983/84 war man diesem jedoch wieder sehr nahe. Ein Sieg im letzten Heimspiel gegen Kirchen hätte dazu genügt. Hier spielte der Schiedsrichter Schicksal, als er aus unerklärlichen Gründen dem VfL das Siegtor versagte. Mit dem 0:0 musste man sich letztendlich mit dem 4. Platz begnügen und Kirchen den Aufstieg in die Bezirksliga überlassen.

In den folgenden 5 Spieljahren war man dann immer wieder bemüht, diese Scharte auszuwetzen. Nach teilweise nicht zufriedenstellenden Platzierungen war es dann in Saison 1990/91 endlich geschafft. Trainer Erwin Mönch brachte die Mannschaft mit gezielter Aufbauarbeit endlich in die Bezirkliga. Die beiden ersten Jahre der Zugehörigkeit zu der Bezirksliga beendete man mit einem achten bzw. zehnten Tabellenplatz. In der nun zu Ende gehenden Spielsaison lehrte uns die erste Mannschaft einmal mehr wieder das Zittern. Bei Abschluss der Vorrunde hatte man noch einen Spitzenplatz inne. Das Punktepolster schmolz immer mehr zusammen, da man 1994 vor allem auf heimischen Gelände viele wertvolle Punkte verlor, so dass erst zwei Spiele vor Rundenschluss der Klassenerhalt gesichert werden konnte.

Die 75jährige Geschichte des Munderkinger Fussballs wurde bisher vorwiegend an den 1. Mannschaften aufgezeigt. An ihnen wird nun einmal, und da kommen wir nicht darum herum, die Qualität eines Vereines gemessen, wobei man die Leistungen der anderen Mannschaften wie Reserve, Jugend, Alte Herren in den Hintergrund drängt. Gerade unsere Jugend, deren sportliche und charakterliche Formung uns obliegt und die vordringliche Aufgaben eines jeden Vereins ist, hat zu allen Zeiten hervorragende Erfolge erringen können. Jugendmannschaften waren vor wie auch nach dem Kriege das unverzichtbare Fundament unseres Fußballsports und werden es in Zukunft noch in verstärktem Maße sein müssen.

Vor allem nach dem Kriege machten die Nachwuchsfußballer immer wieder durch großartige Erfolge auf sich aufmerksam. Viele Kreis-, Bezirks- und Pokalmeisterschaften konnten von den verschiedenen Altersgruppen errungen werden. Schon vielfach waren Jugendmannschaften des VfL auf dem Feld wie auch in der Halle an Spielen um die Württembergischen Meisterschaften beteiligt.

Den größten Erfolg in dieser Hinsicht erzielte unsere A-Jugend Anfang der 60iger Jahre, als sie bis Halbfinale der Württembergischen Meisterschaften vordringen konnte und erst gegen den VfB Stuttgart, in dessen Mannschaft damals Köppel und Sieloff mitwirkten, schied man auf eigenem Platz durch eine 1:6 Niederlage aus dem Wettbewerb aus. Nahezu 1000 Zuschauer waren damals Zeuge dieses für Munderkingen großen Ereignisses.

Ein weiteres herausragendes Ereignis im Jugendbereich war in den 60iger-Jahren der Gewinn des Anton-Steiner-Gedächtnispokals, der nach dreimaligen Gewinn des damals im Bezirk attraktivsten Jugendturniers, in den endgültigen Besitz des VfL überging. Von dem damaligen Interesse der Zuschauer an solchen Jugendveranstaltungen kann man heute nur noch träumen, wenn man weiß, dass bei den Turnieren auf dem Sportplatz an der Rottenacker Straße 1000 Zuschauer an beiden Tagen die Spiele begeistert verfolgten.

Wenn auch heute die Jugend nicht mehr auf so großes Interesse seitens der Bevölkerung zählen kann, hindert dies die Jugendleitung mit vielen Idealisten nicht daran, intensive und erfolgreiche Jugendarbeit zu betreiben. Die Jugendabteilung betreut ca. 130 Heranwachsende vom Vorschulalter bis zum 18. Lebensjahr in 10 Mannschaften einschließlich einer Mädchenmannschaft.
Aushängeschild ist dabei die B-Jugend, die in diesem Jahr überlegen den Bezirksmeistertitel erringen konnte und damit über Aufstiegsspiele den Sprung in die Verbandsstaffel schaffte. Ebenso war die E1-Jugend allen Konkurrenten in der Staffel haushoch überlegen und wurde ohne Punktverlust Staffelmeister und über Entscheidungsspiele auch Bezirksmeister. In der Hallensaison gewannen sie fast jedes Turnier und auch Mannschaften von Bundesligavereinen mussten dabei Federn lassen.

Die gute Jugendarbeit wurde schon des öfteren vom Württembergischen Fußballverbandes mit dem Anerkennungspreis gewürdigt.

Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die vielen Erfolge der Reservemannschaft, die über lange Zeitabschnitte den Meisterwimpel abonniert hatten.
Auch sollen die Erfolge der AH-Mannschaften nicht ungenannt bleiben. Um 1950 soll die Munderkinger AH viele Jahre im gesamten Raum Oberschwaben als unschlagbar gegolten haben.

Um einen reibungslosen Trainings- und Spielbetrieb abwickeln zu können, ist das Vorhandensein entsprechender Sportstätten Voraussetzung. Dank der sportfreundlichen Einstellung der Bürgermeister und der Gemeinderäte, die wie eingangs erwähnt, in Munderkingen nicht immer zu spüren war, wurden in den letzten 30 Jahren mit dem Sportplatz im Ried, mit dem Stadion, mit der Donauhalle und neuerdings mit der neuen Sporthalle Sportstätten geschaffen, die auch den Fußballern optimale Möglichkeiten bei der sportlichen Betätigung bieten.

Unangesprochen bleiben in dem Steifzug durch die 75jährige Geschichte des Munderkinger Fußballs all die vielen Erlebnisse, die schönen Stunden und Begebenheiten, an die sich jeder der einmal zu großen Fußballerfamilie gehörte, und liegen diese noch soweit zurück, gerne erinnert. Ungenannt bleiben ebenfalls die Namen der vielen Idealisten, die irgendwann einmal und an irgendeinem Platz es mit ihrem persönlichen Engagement ermöglichten, dass der Verein oder die Abteilung überhaupt funktionsfähig und der Fortbestand des FCM oder Fußballabeilung jederzeit garantiert war. Anlässlich dieses Jubiläums gebührt ihnen allen ein großer Dank.

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